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Als Charles Dickens mit dem Zug entgleiste

Aktualisiert: 24. Feb.


Dieses Panorama wurde aus drei Aufnahmen vom 9. Juni 1865 zusammengesetzt.  Quelle: Getty Images
Dieses Panorama wurde aus drei Aufnahmen vom 9. Juni 1865 zusammengesetzt. Quelle: Getty Images

Am Nachmittag des 9. Juni 1865 ratterte der 53-jährige Charles Dickens aus Frankreich kommend mit der Eisenbahn auf London zu. In Folkestone stieg er in einen „Tidal“-Zug, dessen Fahrplan noch den Gezeiten folgt. Mit ihm im Erste-Klasse-Abteil saßen die 26-jährige Schauspielerin Ellen „Nelly“ Ternan und ihre Mutter. Als die Sprache auf seinen aktuellen Roman Unser gemeinsamer Freund kommt, wird die Konversation frostig, denn Nelly dient darin als Vorlage für die kapriziöse Bella Wilfer. Nelly überliefert später Dickens’ Worte: „Lasst uns an den Händen fassen und als Freunde sterben.“ Als sie sich einer Brücke näherten, auf der gerade Bauarbeiten stattfanden, geschah das Unglück.

Lok, Tender und Gepäckwagen rasten über die Schwellen, erreichten gerade noch die andere Seite, doch Dickens’ Waggon so wie die hinteren Wagen wurden in den Fluss gerissen. Eine Kette von Fehlern sei der Grund für das Unglück gewesen, hieß es später. Falsche Abfahrtszeiten und Fehldistanzen bei Telegrafenmasten ließen den Zug zudem mit zu hohem Tempo in die Baustelle rasen. Zehn Tote, 40 Verletzte. Der gichtkranke Dickens sei unverletzt durchs ein Fenster hinaus geklettert und half anderen, wie es zeitgenössische Fotografien beweisen. Er, mit Brandy und einem Hut voll Wasser, geht umher und hilft. Nelly Ternan wurde nur leicht verletzt. Dickens schickte sie hastig fort, bevor die Presse an der Unfallstelle eintraf!

Charles Dickens (1812 - 1870) Quelle: Getty Images
Charles Dickens (1812 - 1870) Quelle: Getty Images
Ellen Ternan (1839 - 1914) Quelle: picture-allienace
Ellen Ternan (1839 - 1914) Quelle: picture-allienace

Er, der berühmteste Schriftsteller der Welt, behauptet nämlich stur nur eine platonische Freundschaft mit Nelly zu unterhalten. Später jedoch stellte sich heraus, dass die beiden einen Sohn gehabt haben sollen. Der Autor sei, so heißt es, nochmals in den Waggon gestiegen, um sein aktuelles Manuskript zu retten. Doch so souverän die Zeitungen ihn auch während dieses Unfalls beschrieben, Dickens hatte nach der Katastrophe Angstzustände und soll nie wieder einen Zug bestiegen haben. Übrigens geschah der Unfall exakt fünf Jahre vor seinem Tod.

 
 
 

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